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Ancona

Die Chaosmeisterschaften

Alles war gut geplant. Mein Training abgestimmt auf den Höhepunkt der Hallensaison, Hotelzimmer schon im Dezember gebucht, Meldung rechtzeitig abgegeben. Irgendwann im Februar eine Diskussion in der Weingruppe von Xing und ein Link zu einem Weingut in Italien, wunderschön und direkt an der Autobahn gelegen. 200km von meinem Ziel entfernt, also richtig für eine Zwischenstation. Per Mail Kontakt aufgenommen und auch das klappte. Nur ein Problem nicht alle Straßen kannte mein Navi, aber 69€ war mir die Aktualisierung nicht wert.

Am Donnerstag früh suchte ich dann erst mal meine Handys, die leider nicht aufzufinden waren. Also steckte ich meine Ladekabel ein und ich führ ins Geschäft, wo meine Handys. natürlich fast leer auf mich warteten. Eins machte ich aus, so zur Sicherheit. 7Stunden zügiges fahren und ich erreichte die Ausfahrt Faenza. Bis zum Ortsschild gestaltete sich alles sehr einfach und dann bekam ich eine Erklärung für den Rest in italienisch, weil mein Navi diese Strasse schon mal nicht kannte, das Weingut, da oben bei den Pinien. Na wenn das keine genaue Beschreibung war, urige Sandwege und auf einmal, man soll es kaum glauben, hatte ich es tatsächlich gefunden, denn Handy war zwecklos, kein Empfang. Ich fuhr die Einfahrt hoch und entdeckte ein kleines uriges Häuschen. So wie man sich ein italienisches Haus vorstellt. Andre begrüsste mich herzlich und bei gutem Rotwein führten wir ein lockeres Gespräch. Ich bat Andre in meinem Hotel anzurufen, um Bescheid zu sagen, dass ich später komme, er bekam die Auskunft, dass es für mich keine Reservierung gab und bot mir an, ich könnte in seinem Gästezimmer schlafen, denn es gab auch kein freies Zimmer mehr, für diese Nacht. Für die 2 drauf folgenden Nächte, konnte er mir ein Zimmer im gebuchten Hotel klar machen. Na toll, das fing ja gut an. Na ja eigentlich wirklich, denn so konnte ich den guten Wein trinken, zu Essen gab es eine Schweizer Spezialität (Andre Eggli ist ein Schweizer, der sich in Italien seinen Traum vom Weingut erfüllt hat) und es gab einen romantischen Sonnenuntergang über den Bergen. Es war ein schöner Abend zum Stressabbau. Wein, viel frische Frühlingsluft und die Autofahrt machten schnell müde. Morgens früh aus den Federn, einen Kaffee und weiter ging es Richtung Ancona, wow war das ein Start, ich war total entspannt, schöner konnte ein Kurzurlaub nicht beginnen. Auch Ancona erreichte ich spielend. Nun galt es die Sportanlagen zu finden und auch hier lies mich mein Navigerät im Stich, aber diesmal sollte es mit der Suche länger dauern, 7x Nachfragen und eine Stunde Umfahrung der City und der Sportanlagen war es soweit, da sah ich es vor mir im Tal. Wunderschönes Frühlingswetter und tolle Sportanlagen. Ich meldete mich an und schaute mich in Ruhe um. Traf wieder viel Sportler und am Freitag war Männerkugelstosstag. Doch was war das? Die Kugelstossanlage war in einem Festzelt. Besser gesagt 3 Anlagen eng nebeneinander. Aus Sicherheitsgründen wurde die mittlere geschlossen, da viele Männer mit Drehstosstechnik arbeiten. Eine Lampe hatte es gekostet und eine Leiste oben an der Decke wurde getroffen. Aber trotzdem waren die Männerwettkämpfe spannend und ich fungierte 2x als Glücksbringer. Anders wie geplant, ging ich erst im Dunkeln Richtung Hotel, aber diesmal kannte mein Navi die Strasse des Hotels und so war es ein Kinderspiel. Die Spannung stieg als ich Richtung Hotel kam, ob alles klappte. Es klappte ich bekam ein Apartment ganz nah am Meer, genauer gesagt die Wellen kamen bis zu 30m an mein Apartment, welches auf Stützen stand. Im Zimmer angekommen, machte ich es mir gemütlich, Musik und Kerzen an, Flasche Sekt geöffnet und auf Bett gelegt. Ich glaub so lag ich nicht lange und schlief ein, Nachts wachte ich öfter von dem Geräusch der Wellen auf. Um 6 stand ich auf um den Sonnenaufgang zu sehen, aber leider wurde ich von weissem grellen Licht geblendet. Nebel soweit das Auge blicken konnte, also legte ich mich wieder hin. Später gab es Frühstück und das konnte sich sehen lassen. Um mich noch mal zu regenerieren, machte ich einen Spaziergang am Stand. Danach ging es nach Ancona, diesmal fand ich das Stadion schon nach einer viertel Stunde Stadtrundfahrt. Leider war das Wetter nicht mehr ganz so toll und kühlte mächtig ab. Ich schaute wieder bei Wettkämpfen zu und lies mich bei unseren DLV Masseur blicken, um mich mal zu erkundigen, was seit Tagen meinen Schmerz im Daumen verursachte, am Ellbogen 2 Linksgeschoben und 2 x Rechts und hin und her gedreht, ein Donattape und ich war versorgt, nicht das es mich beim Kugelstossen behindert hätte, aber der Schmerz war weg. Der Vormittag war schnell rum und so langsam machte ich mich mit dem Gedanken vertraut, mich warm zu machen. Ich fühlte mich super, mental als auch körperlich. Das warm machen ging von alleine und das will bei mir was heissen. Dann in den Coolroom, so langsam stieg die Aufregung und Clement ferrand Erinnerungen (11,96m und dritter Platz 2008) wurden wach. Ich bin jemand, der immer nur ganz kurz im Ring sich auf den Punkt konzentriert, beim ersten Stoss gerade in der Konzentrationsphase öffnete sich der weisse Vorhang und ein gefühlt 5 Grad warmer Frühlingszug wehte mir ins Gesicht, vorbei war es mit der Konzentration, aber zumindest 12 m übertroffen, der 2. Stoss in der Konzentrationsphase wurde von einem Mann gestört, der durch den weissen Vorhang schlüpfte und mich fragend ansah, was ich wohl in dem Ring machte, aber nichts desto trotz eine Steigerung. Endlich wurde ein Kampfrichter abgestellt, der diesem Treiben ein Ende machte, immer wenn jemand im Ring stand, wurde der Eingang für Wind und Mensch gesperrt. Doch bei mir war es vorbei, spätestens als der Vater der Zwillinge, meine beiden Teamkolleginnen, sagte:” Was regste Dich auf, meine Töchter haben heute eh nichts drauf, gewinnst auch so!!” Wenigstens konnte ich mich noch auf versöhnliche 12,69m steigern, entfernt von 13 geplanten Metern und 13,51 geträumten Metern. Aber wie sagt man so schön, gewonnen ist gewonnen, es ging ja immerhin um den Europameistertitel. Als ich auf meine Siegerehrung wartete schaute ich noch mal bei den Masseuren vorbei und der holländische Masseur, mittlerweile ein guter Bekannter, hatte nichts zu tun und ich vertraute ihm meine Schulter an, ich wusste gar nicht, dass die so verspannt war und als er an meinem Hals es noch 2x krachen lies, war ich vollends platt. “Nun sitzt alles wieder an seinem Platz,” sagte er schmunzelnd. Die Siegerehrung zog sich so lange raus, so dass ich wieder im Dunkeln die Halle verlies. Ich musste noch dringend tanken. Der Zeiger neigte sich schon empfindlich dem Ende entgegen. Gab ja reichlich Tankstellen. Leider verpasste ich die richtige Ausfahrt und musste einen Umweg von 20 km fahren, bei dem ich feststellen musste, ich bin nicht in Deutschland, alle Tankstellen zu. Als ich meinen Mann verzweifelt anrief und er mir mitteile er ist in Deutschland ist und ich in Italien bin, wurde mir bewusst, ich bin alleine, mit einem Tank der fast leer ist noch 30km zu fahren und keine offene Tankstelle, doch dann eine 24 Stunden Tankstelle. Shit Karten und Bargeldtankstelle, ich tanke da nicht mal in Deutschland. Da stand ich nun und ich weiss nicht wer diesen Mann dahin bestellt hatte, aber tanken wollte er nicht. Mit Händen und Füssen erklärte ich ihm, das ich keine Ahnung habe, meine Karte funktionierte auch nicht, aber Bargeld, kurz erklärt und schon wieder war er weg. Als ich mich ins Auto setzte, hätte ich erstmal losheulen können, so ein Scheiss Tag schlechte Leistung und dann das mit dem Tanken, das hatte mir zugesetzt. Schnell fand ich auch wieder mein Hotel nur diesmal kamen die Wellen bis hinter die Stützen, sicherheitshalber stellte ich mein Auto etwas weiter nach hinten, bei meinem Glück hätte es ja auch noch stürmischer werden können. Als erstes das gleiche Ritual vom Vorabend Musik und Kerzen an und den Rest vom Sekt. Morgens hatte sich der Wind noch nicht beruhigt und so konnte ich meinen Plan vom Strandspaziergang vergessen. Nach dem Frühstück bezahlte ich meine Hotelrechnung wo ich 65 anstatt 55€ zahlen sollte, aber er lies mit sich reden. Ich wollte nur noch eins Heim. Mein Navi zeigte mir 8:15 Stunden für 915 km an, bis auf die Minute hielt ich die Zeit, trotz Mautstationen, 2 Grenzen und einem Tankstopp. So hatte ich eine versöhnliche Heimfahrt und das bestimmt chaotischte Sportwochenende hinter mich gebracht.

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Zum Abschluss noch Tipps um ein Chaotisches Italienwochenende zu umgehen:

Wer Dank seines Navigerätes seinen Orientierungssinn verloren hat, sollte doch die Kartenaktualisierung in Anspruch nehmen, oder sein Nervenkostüm vorher stärken

Nie den Tank leer fahren, oder dann los fahren, wenn Tankstellen noch offen haben

Wer kein italienisch kann, sollte jemanden haben, der im Notfall übersetzt